Der Rheinsteig (1) Durch das nördliche Siebengebirge bis Rhöndorf



Montag,
05.02.2024

Kilometer
28,8

Höhenmeter
↑ 776 / ↓ 765

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Zum Auftakt meines Rheinsteig-Abenteuers hätte ich mir keine besseren Bedingungen wünschen können als das heutige, für einen Februartag geradezu sagenhafte Frühlingswetter. Und dabei hatte ich diesen Fernwanderweg für 2024 überhaupt nicht auf meiner Agenda gehabt. Dass ich mich nun doch äußerst spontan umentschied, führte dazu, dass ich keine 48 Stunden später startbereit am Bonner Hauptbahnhof stand.

Hinzu kommt, dass sich ein Projekt dieser Größenordnung (und dieser Umstand passt eigentlich gar nicht zu mir) überhaupt nicht bis zum Ende durchplanen lässt. Zumal die Länge der einzelnen Etappen und deren Anzahl letztlich auch von meiner jeweiligen Tagesform abhängen wird. Über seine Distanz von 320 Kilometern hinaus lockt der Rheinsteig nämlich vor allem auch mit seinen fast 12.000 Höhenmetern, die bis zu seinem südlichen Terminus in Wiesbaden bewältigt werden müssen - was ihm in der Wander-Community schon den anerkennenden Beinamen "Der Rollercoaster" eingebracht hat.

Ja, auch dank der zahlreich vorhandenen Berichte anderer Blogger und "Youtuber" über die vor mir liegende und mehrfach prämierte Strecke sind sowohl meine Erwartungen als auch die Vorfreude gewaltig. Beides hielt noch unvermindert an, als ich heute in der Bonner City startete und vor dem alten Rathaus meine Schritte auf die ersten offiziellen Meter des Rheinsteigs lenkte. Und als ich nach wenigen hundert Metern vor Deutschlands größtem Strom stand, präsentierte sich am südöstlichen Horizont - trotz des noch fahlen Morgenlichts - zum ersten Mal das unverwechselbare Panorama des Siebengebirges. 

Das erste Etappenziel schon jetzt vor Augen zu haben, motivierte mich ungemein! Zunächst führte der Weg über die Kennedybrücke nach Bonn-Beuel. Rechtsrheinisch angekommen, wird dies nun bis Wiesbaden ausnahmslos so bleiben. Während die nächsten drei Kilometer stromaufwärts folgen, zieht auf der gegenüberliegenden Rheinseite mit der Villa Hammerschmidt, dem alten Kanzlerbungalow und dem "Langen Eugen" gemächlich das ehemalige Regierungsviertel vorüber.  

Kurz vor der Konrad-Adenauer-Brücke knickt der Weg dann unvermittelt nach links ab und durchquert den Campus eines großen deutschen Telekommunikationsunternehmens. Hinter der St. Gallus-Kirche und dem angrenzenden Friedhof hat man das Wohngebiet von Küdinghoven (zu Bonn-Beuel gehörend) hinter sich und wechselt jenseits der A 59 ins Naturschutzgebiet. Hier, am Tor zum Siebengebirge, lässt der Rheinsteig mit zahlreichen hinaufführenden Stufen dann auch erstmals dezent sein bevorstehendes Höhenprofil erahnen. 

Am "Foveaux-Häuschen" ist das vorläufige Höhenniveau erreicht und es geht auf gemütlichen Waldwegen weiter. Schon bald warten rechter Hand mehrere tolle Aussichtspunkte, die Weitblicke über Bonn und auf das Rheintal freigeben und die mit der Rabenlay ihren vorläufigen Höhepunkt finden. Schließlich öffnet sich oberhalb eines Weinbergs der Blick auf das malerische Oberdollendorf, bevor man eine halbe Stunde später auf die alte Zisterzienser-Abtei Heisterbach trifft.

Hier, bei Kilometer 16, entschloss ich mich zu einer Rast. Das Angebot der Klostergaststätte hängt zwar aus und klingt vielversprechend, steht aber leider erst ab April zur Verfügung. So setzte ich mich bei herrlich milder und sonniger Witterung in die schön gestaltete Gartenanlage, muffelte meine erste Käsestulle und ließ dabei das alte Gemäuer der Chorruine auf mich wirken.

Meine Pause an diesem Ort stellte sich im übrigen als gute Idee heraus, denn kurz darauf setzte der erste wirklich relevante Anstieg ein. Er folgt einem der vier sogenannten "Bittwege", die aus verschiedenen Richtungen auf den Petersberg führen. Dies ist dann auch eine der Passagen, wo wegen des felsigen Untergrunds erhöhte Vorsicht geboten ist. 

Oben angekommen, lohnt sich sowohl ein Rundgang über das inzwischen zugängliche Gelände des früheren Gästehauses der Bundesregierung, als auch ein Besuch der historischen, 1764 geweihten St.-Peter-Kapelle. Und als einer der "Großen Sieben" ist der Petersberg nicht zuletzt auch ein hervorragender Ort für eine grandiose Sicht auf den Drachenfels und Schloss Drachenburg.

Unmittelbar darauf setzte auch schon wieder der Abstieg ein, und durch lichtdurchflutete Wälder kam ich bis über die sogenannte "Seufzerbrücke" an der L 331 zur "Herbert Krämer Hütte". Die sollte ruhig für eine weitere Rast genutzt werden, denn der zweite größere Anstieg beginnt schon kurze Zeit später und führt recht schweißtreibend auf den 324 Meter hohen Geisberg. Dieser wiederum zahlt die Mühe dann mit einem der schönsten Panoramablicke zurück, die diese erste Etappe bereit hält. Wo das Rheintal zu Füßen liegt, und von dem zugleich das markante Profil des Siebengebirges in die Höhe steigt - gerade hier mit zwei seiner eindrucksvollsten Erhebungen vor Augen: dem Drachenfels und der benachbarten Wolkenburg.

Ich war versucht, noch sehr viel länger an diesem Platz zu verweilen und diese grandiose Aussicht zu genießen. Doch hatte ich bis zu meinem heutigen Ziel in Rhöndorf noch gut fünf Kilometer vor mir - und auch die würden es noch streckenweise in sich haben. Etwas moderater als der zuletzt sehr steile Aufstieg führte nun ein Pfad zur sogenannten "Drachenfelsstraße" zurück: Einem Hauptwanderweg, über den man am "Milchhäuschen" vorbei zu "Schloss Drachenburg" gelangt. Das hatte sich in den 1880er Jahren ein gewisser Stephan von Sarter als "Privatvilla" errichten lassen, nachdem er Dank eines überaus erfolgreichen Aktienhandels schon nach kurzer Zeit nicht mehr wusste, wohin mit seinem Geld.

Für mich hieß es an dieser Stelle stattdessen noch einmal durchzuschnaufen, um den finalen Kraftakt des heutigen Tages anzugehen: hinauf auf den Drachenfels, wo mich wie befürchtet das von touristischen Heerscharen bevölkerte Plateau in Empfang nahm und ich genau deshalb solche Hotspots nicht mag. 
Und doch stellte zumindest für mich genau dieser Platz einen bedeutsamen Punkt dar. Denn hier beendete ich im Sommer 2023 aus Essen kommend den "Bergischen Weg". Und nun - ja! - soll es von hier aus weitergehen. Durch das südliche Siebengebirge, die Höhenzüge des Mittelrheins, bis hinein in den Hessischen Rheingau.

Und während ich an der gegenüber liegenden Seite des Drachenfels wieder abstieg und auf Rhöndorf zuging, verspürte ich schon nach diesen ersten 29 Kilometern unbändige Vorfreude auf alles, was mich auf den weiteren Etappen erwartet.

Startpunkt: Hauptbahnhof Bonn,
Zielpunkt: Bahnhof Rhöndorf.

Hauptbahnhof Bonn

Das alte Rathaus,
"Trailhead" des Rheinsteigs

Vater Rhein kommt in Sicht

Erster Blick auf das Siebengebirge

Rechtsrheinische Uferpromenade
in Bonn-Beuel

Heiliger Nepomuk

Blick auf das frühere Regierungsviertel

Villa Hammerschmidt

Selfie an der Rhein-Kilometrierung

Der "Lange Eugen" (Mitte)

In der Kirchstraße

Der Friedhof von Küdinghofen

Querung der A 59

Das Tor zum Siebengebirge

Das Foveaux-Häuschen

Im Bereich der Rabenlay reiht sich
ein Aussichtspunkt an den nächsten.

Blick auf den Petersberg (Mitte),
die Wolkenburg und den Drachenfels (hinten rechts)

Skywalk an der Rabenlay

Erste Weinberge bei Oberdollendorf

Dollendorfer Bach

Die alte Chorruine der Abtei Heisterbach

Das Torhaus

Der Aufstieg zum Petersberg beginnt.

Der Verlauf einer früheren "Bremsbahn"
ist bis heute sichtbar.

Zugang zum früheren Sperrbereich
auf dem Petersberg.

Drachenfels und Schloss Drachenburg

Das frühere Bundesgästehaus ist heute ein Grandhotel.

Die St.-Peter-Kapelle

Rasthütte an der Mondscheinwiese

Die Mondscheinwiese

"Seufzerbrücke" und dahinter die "Herbert-Krämer-Hütte

Den Geisberg vor Augen

Wahnsinns-Aussicht auf dem Geisberg

Der Drachenfels und die Wolkenburg

Die "Walter-Guilleaume-Hütte"
auf dem Geisberg

Abstieg zurück auf die "Drachenfelsstraße"

Das "Milchhäuschen"

Schloss Drachenburg

Schloss Drachenburg vom Drachenfels aus gesehen.

Monströse Sicherungsmaßnahmen gegen Felsstürze

Die Burgruine auf dem Drachenfels

Blick auf den Rhein und die Insel Nonnenwerth

Abstieg über die Südseite des Drachenfels

Ein Wiedersehen mit dem "Bergischen Weg"

Zwei Kilometer vor Rhöndorf
ein weiterer schöner Pausenplatz.

Ein glücklicher Wanderer :-)

Die "Drachenfelsquelle" in Rhöndorf.

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