Die Rur (12) Das Niederländische Roerdal und die Mündung



Dienstag,
04.10.2022

Kilometer
24,6

Höhenmeter
33

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Nachdem sie südlich von Vlodrop die Grenze passiert hat, fließt die Rur auf ihren letzten 21 Kilometern durch die Niederlande. Aber noch während ich meine Route ausarbeitete, kamen mir Zweifel: Lohnt sich die Tour landschaftlich überhaupt? Oder ist die Gegend vor den Türen Roermonds nicht schon viel zu städtisch geprägt?

Dass ich die Wanderung unternahm, stand unabhängig davon außer Frage. Ging es mir einerseits doch um ein Gesamtbild dieses bis jetzt so faszinierenden Flusses, andererseits darum, mein auf 12 Etappen angelegtes Projekt weiter zu realisieren.

Gut dass ich es tat! Denn sobald die Rur heute in mein Blickfeld geriet, lösten sich alle anfänglichen Zweifel in Luft auf. Den Wagen hatte ich mangels anderer Parkmöglichkeiten in Effeld (noch auf deutscher Seite) abgestellt, wodurch die Tour mit einem zwei Kilometer langen Zuweg begann.

Am Ortsausgang von Vlodrop, gleich hinter dem Kreisverkehr, zweigt der Wanderweg von der Straße ab und orientiert sich erstmals an der Rur. Die Idylle wird später kurzzeitig unterbrochen, während man für etwa 200 Meter dem "Bondersweg" folgen muss. Aber schon geht es wieder durch Wald und am Landgut "Beatrixhof" vorbei.

Dann folgt eine längere Asphaltstrecke, aber der Wirtschaftsweg ist ruhig und einsam. Zeitweise erahnt man links auch die parallel fließende Rur, während der direkte Blick aber meist durch Sträucher verdeckt wird.

Von der Wegkreuzung aus, wo die Route links abbiegt, hatte ich dann eigentlich nur einen kleinen Abstecher vorgesehen, um die Rur, nachdem sie sich über drei Kilometer lang rar gemacht hatte, mal wieder zu Gesicht zu bekommen. Dort angelangt, entdeckte ich jedoch einen kleinen Trampelpfad, der sich - unmittelbar am Wasser entlang - durch eine weitläufige Wiese schlängelte.

Kurzentschlossen folgte ich ihm, auch wenn auf der Karte nichts eingezeichnet war. Doch die Richtung stimmte, und tatsächlich stieß ich nach etwa 700 Metern wieder auf einen offiziellen Pfad, der mich zurück auf den regulären Wirtschaftsweg brachte. Schon wenige Minuten später erreichte ich dort eine kleine Schutzhütte. Und da ich hier fast die Hälfte hinter mir hatte, entschied mich für eine Rast.

Dort wo es möglich war, versuchte ich den Asphaltweg in Richtung Rur zu verlassen, und tatsächlich bot sich schon bald mit dem etwa ein Kilometer langen "Haazenpad" eine weitere, willkommene Alternative.

Im Anschluss muss man für 500 Meter an der vielbefahrenen L 293 vorbei. Aber ist man danach wieder scharf links in den Feldweg abgebogen, findet man sich sofort in einer weiteren, erneut wunderschönen Naturidylle wieder. Der Pfad ist zeitweise kaum zu erkennen. Er führt durch Schutzgatter, verläuft mitunter auch über Weiden, auf denen Kühe und Pferde grasen und wird mehrfach von kleinen malerischen Rur-Mäandern gesäumt.

Schließlich steht man wieder an der L 293; die Rückkehr in die "Zivilisation" erfolgte relativ abrupt. Ihr und zwei weitere, dafür kleinere Straßen muss man nun für etwa zwei Kilometer folgen, ohne dass es hierfür eine Alternative gibt. Dort, wo die Wohngebiete von Roermond beginnen, wird es aber schon wieder deutlich ruhiger.

Die letzten sechs durch Roermond führenden Kilometer orientieren sich, wo es geht, wieder an der Rur. Zwischendurch auch mal am Hambeek, der ein eigener Mündungsarm ist. Meist geht es, während man sich dabei dem Stadtzentrum nähert, durch Parks und parkähnliche kleine Wäldchen und Wiesen.

Hat sie dann den mächtigen Kirchturm der Christoffel-kathedraal passiert, folgt für die Rur, bis sich ihr Wasser mit dem der Maas vereinigt, nur noch eine leichte Rechtsbiegung. Und fast wirkt ihre Mündung, von der "Louis Raemaekersbrug" aus betrachtet, ein wenig enttäuschend. Nach den vielen bildgewaltigen Naturräumen, den Landschaften aus Felsen, Wäldern und Wiesen, die die Rur auf ihrem fast 165 Kilometer langen Weg hierher passiert hat, scheint das urbane Flair einer Stadt einfach nicht zu ihr passen zu wollen.

Aber das liegt nur im Auge des Betrachters.
Und ist, wie so vieles im Leben, rein subjektiv.

Startpunkt: Martinusplatz, 41849 Wassenberg-Effeld
Zielpunkt: Hauptbahnhof Roermond
Rückfahrt bis Vlodrop: Buslinien 62 und 63 (Plattform D).